Heft 47 Mai 2026
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Ressort Mehl · Tabelle

Mehltypen-Tabelle: was Typ 1050 wirklich bedeutet

Typ 405, 550, 1050, 1600, Vollkorn — die deutschen DIN-Typen-Zahlen sind keine Backempfehlungen, sondern Aschegehalts-Marker. Was die Zahl misst, was sie nicht misst, und welche Konsequenz das für Wasseraufnahme und Krume hat.

Die deutsche Mehltypen-Klassifikation gehört zu den missverständlichsten Zahlen in jeder Hobbybäcker-Küche. „Typ 1050 — das ist doch dunkleres Mehl, oder?” Antwort: ja, aber nicht weil der Hersteller das so gewählt hat, sondern weil die DIN-Norm den Aschegehalt in Milligramm pro 100 g Trockenmasse misst — und Asche kommt überwiegend aus den mineralhaltigen Randschichten des Korns. Typ 1050 = 1050 mg Asche pro 100 g TM, also rund 1,05 %. Mehr nicht.

Die Tabelle, Stand Mai 2026

TypAschegehaltCharakterKlassische Verwendung
405≤ 0,50 %hell, kleberreich, niedriger MineralanteilKuchen, feines Gebäck
550≤ 0,63 %Standard-Weizenmehl, alltagstauglichBrötchen, Hefeteig, helle Brote
812≤ 0,90 %leicht dunkler, mehr GeschmackMischbrote
1050≤ 1,20 %dunkel-aromatisch, höhere WasseraufnahmeBauernbrot, kräftige Mischbrote
1600≤ 1,80 %sehr dunkel, fast VollkornRoggen-Mischbrote, kräftige Krumen
Vollkorngesamtes Kornvolle Schale, KeimlingVollkornbrote

Roggen folgt einer parallelen Skala: Typ 815 / 997 / 1150 / 1370 / 1740 / Vollkorn. Die Zahlen sind höher, weil Roggen pro Trockenmasse-Einheit mehr Mineralien enthält.

Was die Zahl misst — und was sie nicht misst

Was die Typenzahl misst:

  • Aschegehalt (mineralhaltige Randschichten)
  • damit indirekt: Farbe, Geschmacksintensität, Wasseraufnahme

Was sie nicht misst:

  • Klebergehalt (Protein) — das hängt von der Weizensorte ab, nicht von der Typenzahl. Typ 550 von Hartweizen-Sorten kann mehr Kleber haben als Typ 1050 aus weichem Sommerweizen.
  • Wasseraufnahme im engeren Sinne — die hängt von Klebergehalt, Stärkebeschädigung beim Mahlen und Mineralstoffanteil zusammen.
  • Triebkraft im fertigen Teig — die hängt vom Triebmittel und der Führung ab.

Praktische Konsequenz für die Krume

Höhere Typennummer heißt: höhere Wasseraufnahme. Ein Brot mit Typ 1050 trägt typisch 2 bis 4 Prozentpunkte mehr Hydration als das gleiche Rezept mit Typ 550. Wer ein bewährtes 65-%-Hydration-Rezept mit Typ 550 auf Typ 1050 umstellt, sollte direkt auf 68 % hochgehen — sonst wirkt der Teig zu fest und die Krume bekommt enge, längliche Poren statt der typischen unregelmäßigen Mischbrot-Lochung.

Warum die Tabelle alle drei Hefte aktualisiert wird

Die DIN-Norm ändert sich nicht — aber das Mehl im Handel ändert sich. Sortenmischungen, Erntejahr-Schwankungen, Klebergehalts-Toleranzen variieren. Wir messen einmal im Quartal mit dem Klebergehalts-Test (60 g Mehl, 35 g Wasser, 30 min ruhen, dann auswaschen) und vermerken Auffälligkeiten. Im letzten Quartal war Typ 1050 von einer Süddeutschen Mühle bei 11,8 % Kleber — überdurchschnittlich kräftig.

Im nächsten Heft: alte Sorten — Champagner-Roggen, Emmer, Einkorn. Welche Typenzahl, welche Backeigenschaften, welche Bezugsquellen.


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